15.05.2015
Martin Pauli, Torhüter-Fachmann, stösst neu zum TV Möhlin
Nach der Verpflichtung des neuen Trainers Zoltan Cordas, wechselt mit ihm auch dessen Weggefährte Martin Pauli, vom TV Endingen zum TV Möhlin. Der 63-jährige Goalietrainer Pauli gilt als profunder und langjähriger Fachmann im Handballgeschäft. Für Martin Weber stellt die Neuverpflichtung eine zukunftsweisende Investition in den Nachwuchs und insbesondere in die Torhüterposition dar und ergänzt die bisherigen Bemühungen für eine vertiefte und engagierte Juniorenförderung.
Martin Pauli wohnt in Erlinsbach und war mit Leib und Seele Lehrer. Seit einem Jahr geniesse er aber den vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben und sei pensioniert. Im Beruf hat Pauli mitgeholfen die Sportschule Buchs-Rohr als „olympic partner school“ aufzubauen. Diese Schule ermöglicht jungen Spitzensportlern einen normalen Schulabschluss und daneben gleichzeitig wie ein Profi trainieren zu können. Dieses Modell in die Praxis umzusetzen, sei schwierig und hätte ihn die letzten 20 Berufsjahre beschäftigt.
Was reizt dich, bald für den TVM tätig zu sein?
„Ich bin handballverrückt, seit ich denken kann. Schon als Bub war ich fast jedes Wochenende an Handballspielen. Mein Vater spielte lange in der NLA und war später Nationaltrainer; das „Handball-Gen“ wurde mir quasi vererbt. Mich reizt die Arbeit für den TVM, weil es nur wenige Vereine gibt, wo man diese Verankerung im Dorf spürt, wo es so viel Leidenschaft von Verein, Funktionären, Behörden, Schule und Fans für unseren Sport gibt.“
Hat der Wechsel von Endingen nach Möhlin, auch mit Zoltan Cordas zu tun?
„Natürlich hat es mit seinem Wechsel zu tun! Wir arbeiten nun seit fast 10 Jahren zusammen, jeder kennt und respektiert den anderen. Ich kenne seine Stärken und Schwächen und er die Meinigen und unsere Zusammenarbeit funktioniert mittlerweile praktisch blind und ohne lange Absprachen. Zudem ist er fachlich wirklich höchst kompetent und in der Entwicklung von auf die Spieler zugeschnittenen Systemen schlicht genial und unglaublich kreativ. Das macht die Arbeit auch für mich extrem spannend.“
Was hast du von aussen für ein Bild von unserem Verein?
„Spiele gegen Möhlin waren für jedes meiner Teams, zuerst Suhr, dann Muri, später Endingen immer besonders, auch speziell schwierig. Unglaublich war immer das Publikum und seine Treue zur Mannschaft. Da konntest du noch so deutlich führen, das Publikum hat immer jede erfolgreiche Aktion des TVM gefeiert und beklatscht. Schon einzigartig! Und zudem verbindet mich eine spezielle Art Freundschaft mit „Tante Alice“, sie hat mich immer sehr charmant und herzlich begrüsst und gratuliert, auch wenn Möhlin verloren hatte.“
Was ist deiner Meinung nach in der Nachwuchsförderung wichtig?
„Geduld ist am wichtigsten. Man kann nicht davon ausgehen, Nachwuchsarbeit zu intensivieren und ein Jahr später schon Resultate davon zu sehen. Das dauert schon Jahre, bis das nachhaltig wirksam wird. Aber wenn man nie anfängt, wird das auch nie etwas. Und Vereine wie Möhlin sind darauf angewiesen, eigene Spieler zu „produzieren“, weil fremde einzukaufen schlicht auf die Dauer nicht finanzierbar ist.“
Wie beurteilst du generell die Entwicklung in der NLB?
Pauli beschreibt es so: „Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist auch in der NLB der Sport professioneller geworden. Wer nur dreimal pro Woche trainiert, kämpft immer gegen den Abstieg. Will man an die Spitze, müsste man schon täglich in der Halle stehen, sonst geht das nicht. Heisst eigentlich, will man in der NLB sicher überleben, muss man fünf Trainings pro Woche haben. Kriegt man dies nicht zusammen, wird es halt schwierig, man riskiert dann, mit etwas Verletzungspech die Liga nicht mehr halten zu können. Wäre beim TVM in dieser Saison ja auch fast passiert. Früher hat man immer den rechten oder linken Rückraumspieler als „König“ auf dem Spielfeld betrachtet. Im modernen Handball ist das der Torhüter geworden. Ohne wirklich solide Torhüter gewinnst du nicht mehr. Die Ausbildung guter Torhüter muss darum ein Kernanliegen eines ambitionierten und vernünftigen Vereins sein.“
Du hast viele Torwartcracks „geformt“, welche zum Beispiel?
„In der Vergangenheit waren das schon einige. Es gab Saisons, wo mehr als die Hälfte der NLA mit Torleuten aus „meiner Schule“ gespielt hat. Aktuell davon spielen noch in der Nationalliga: Andreas Merz (Wacker Thun), Dominic Rosenberg (BSV Bern), Tobias Wipf (Lakers Stäfa), Claudio Boccarelli (SC Siggenthal), Raphael Aeberhard (SC Siggenthal), Dario Ferrante (TV Endingen). Daneben bin ich besonders stolz darauf, dass ich während drei Jahren den Welttorhüter Nummer Eins Suik Hong Lee (Korea) beim TV Suhr trainiert habe und mit ihm zweimal Schweizermeister geworden bin und Champions League spielen durfte, damals sogar als Coach der Mannschaft. Als Torhütertrainer der Nationalmannschaft habe ich Pascal Stauber, Rolf Dobler, Christian Meisterhans, Antoine Ebinger, Patrick Bläuenstein, Daniel Lehmann, Roman Schelbert und noch einige mehr, trainiert.“
Abschliessend resümiert Martin Pauli dankbar seine Stationen im Handball und kommt zum Fazit, dass diese Sportart für ihn zum eigentlichen Lebenssinn geworden und ihn wie nichts anderes geprägt habe. Und gerne erinnere er sich an die Worte seines Freundes Suik Huong Lee, heute Nationaltorhüter in Korea, welcher zu sagen pflegte: „If you want to have success, you have to live and think handball 24 hours a day!“ (Wenn du Erfolg haben willst, musst du für den Handball leben und denken, 24 Stunden am Tag) und wünscht in diesem Sinne: „Hopp Möhlin!“.
Weitere Informationen:
Herr Peter Stalder (Präsident)
Tel.: +41 (0) 79 674 54 30
Mail: praesident@tv-moehlin.ch