13.01.2016
Rok Jelovcan – Keeper beim TV Möhlin!
Seit im September die NLB-Meisterschaft offiziell begonnen hat, hütet Rok Jelovčan das Tor für den TV Möhlin. In der Liga und besonders im internationalen Handball wird die Rolle des letzten Mannes immer wichtiger, er kann die Defensive nachhaltig stärken und damit der Mannschaft im Angriff die nötige Sicherheit vermitteln. Dass Rok Jelovčan diesen Part schon ziemlich oft und auch fantastisch eingenommen und seinem Team zu wertvollen Punkten verholfen hat, darüber will der bescheidene Slowene nicht viele Worte verlieren. Er ist auch privat nicht der theatralische Typ, welcher sich lautstark und gestenreich inszenieren mag.
Geboren ist Rok Jelovčan („Jelovtschan“ ausgesprochen) im slowenischen Koper am 15. August 1987. Koper ist eine Seehafenstadt mit 25‘000 Einwohnern und liegt südlich der italienischen Hafenstadt Triest. Slowenien selbst liegt im südlichen Mitteleuropa und grenzt im Westen an Italien. Die Entfernung von Möhlin in seine Heimat beträgt in etwa die gleiche Distanz, wie sie Doormann nach Norddeutschland zurücklegen muss, nämlich um die 750km. Rok lebt in einer Handball-Wohngemeinschaft, zusammen mit Tin Tokic und den Brüdern Jan und Sven Stalder. Seit kurzem arbeitet der Torwart stundenweise bei der Basler Personenschifffahrt. In Koper hat der Slowene die technische Hochschule abgeschlossen, spricht nebst der Landessprache auch Italienisch und Englisch und „muss“ jetzt auch seine Deutschkenntnisse vertiefen lernen (das bekräftigt jedenfalls sein Mitbewohner Sven). Handball nimmt ein grosser Teil seiner Zeit in Anspruch. Wenn er frei hat, verbringt er die Stunden gern mit seinen Freunden, schaut auch mal Fussball am TV, spielt Playstation oder surft im Internet.
Wie bist du zum Handball gekommen?
„Ich bin in einer Handballfamilie gross geworden, mein Vater war Handballspieler und auch mein jüngerer Bruder spielt diesen Sport. Zuerst trainierte ich aber Fussball, aber dann, so mit elf Jahren wechselte ich zum Handball, was ich nie bereut habe. Handball ist ein schöner Sport, weil er so dynamisch und schnell daherkommt.“
Und warum gerade zum TV Möhlin?
„Ich kam mit dem TV Möhlin durch einen Slowenischen Coach, Matiaz Tominec, welcher in der Schweiz wohnt, in Kontakt. Den ganzen Rest realisierte ich mit Hilfe meines Managers Bojan Skoko. Ich kam vergangenen Juni für eine Woche hierher, um das Team kennen zu lernen und erste Kontakte mit den Vereinsverantwortlichen und all den anderen Leuten, welche rund um diesen Club arbeiten, zu knüpfen. Das TV Möhlin-Projekt überzeugte mich und ich entschied, diese Herausforderung anzunehmen.“ Weiter beschreibt Jelovčan, dass die Mannschaft jung sei, so könne sie sich entwickeln, verbessern und besser und besser werden. Zusammen mit den Trainern, Zoltan und Martin, hätte er keine Zweifel, dass das realisiert werde.
Wie bereitest du dich auf einen Match vor?
„Ich habe keine speziellen Rituale. Gewöhnlich schaue ich mir Videos meines nächsten Gegners an und höre, was mir Martin für Ratschläge gibt. Martin Pauli ist sein persönlicher Trainer, welcher zusammen mit Zoltan Cordas von Endingen nach Möhlin gewechselt hat. Pauli ist eine Kapazität auf seinem Gebiet und trainiert nebst den Eins-Torwarten auch den Nachwuchs.
Deine Rolle als Torwart-kannst du mehr darüber erzählen?
Die „goalkeeper position“ ist eine spezielle Rolle im Handball und im Sport generell. Obwohl Handball ein Teamsport ist, kann man sagen, wir Torhüter sind alles Individualisten. Individualisten, weil wenn die Verteidigung auseinanderbricht, bist du allein - allein mit dem gegnerischen Spieler und niemand kann dir jetzt helfen. So geht auch unsere Vorbereitung eigene Wege und ist ganz anders als die Mannschaftsvorbereitung. Wir unterhalten uns mit dem Goalietrainer über die möglichen gegnerischen Schüsse und wir sehen uns auch Videos an. Auf die Frage nach seinen speziellen Fähigkeiten meint er: „Ja, ich darf sagen, meine Stärken liegen im antizipativen Bereich, bei der Schnelligkeit und meinen Reflexen. Und wenn mich jemand fragt, wie liest, interpretierst du die Werfer? Dann kann ich das nicht erklären. Ich glaube aber, dass man dieses Talent von Geburt an mitbringt: „It is just you have it or you don’t have it. It is impossible to teach.“ Was so viel heisst wie, entweder hast du diese Gabe oder nicht und es ist unmöglich sie zu erlernen.
Wie erholst du dich vom Handballsport?
„Ohne Handball, das ist gewöhnlich nur an Sonntagen und in der Sommerpause im Juli. Meine Heimatstadt liegt nahe am Meer, so freue ich mich jeweils meine Freizeit am Wasser und mit meiner Familie und Freunde verbringen zu können.“
Was motiviert dich, den Handballsport auf diesem hohen Level auszuüben?
Jelovčan antwortet: „Jeden einzelnen Tag, jedes einzelne Training gibt mir eine Menge Motivation, um den Handballballsport weiter auszuüben und ich geniesse die Zeit mit diesem „beautiful sport.“ Weiter gibt er zu bedenken, wenn er diese Motivation nicht mehr empfinde, dann würde er das beenden, aber gleichzeitig schmunzelt er: „Ich bin sicher, das wird nicht so schnell passieren!“ Und fügt weiter an, wenn er nicht mehr aktiv sei, dann werde er dem Handballsport treu bleiben und als Coach oder in einer anderen Funktion mit diesem Metier verbunden bleiben wollen. Auch betont Rok Jelovčan, dass Handball ein wichtiger Teil in seinem Leben sei, denn dadurch hätte er auch eine Menge Freunde kennen gelernt, schon viele Orte gesehen und viele Erinnerungen gesammelt. Obwohl es nicht immer glückliche Momente gebe, er liebe dieses Spiel!
Neben Rok kommt der zweite Torwart Nicolas Bamert natürlich deutlich weniger zum Einsatz und steht quasi im Schatten von Primus Jelovčan. Aber auch Jelovčan hat so angefangen und von „Vorbildern“ nur profitieren können. Und so harmonieren und trainieren beide bestens und motivieren sich jeweils gegenseitig bei ihren Einsätzen.
Für den TV Möhlin, Christine Steck