Sebastian Kaiser- „der Messi“ beim TV Möhlin?!

Wer ihn schon auf dem Spielfeld in der Halle herum wirbeln sah, wird wohl auch früher oder später gedanklich auf diesen Vergleich kommen. Das besondere Prädikat stammt aber in diesem Fall von Rückraumkollege Marcus Hock, welcher Sebastian Kaiser schon mal mit einem der besten Fussballstürmer der Welt vergleicht, zumindest wenn im Training die Einheit Fussball ausgeübt und Hock vom Jüngeren herausgefordert und „genervt“ wird. Kaiser freut es, doch sein Talent setzt er lieber für den Handballsport ein, welcher, nach seinen Angaben, schon früh ein wichtiger Teil in seinem Leben war.

Sebastian Kaiser, am 4. Oktober 1992 geboren, verbrachte seine Kinderjahre in Pfeffingen. Vor vier Jahren, 2011 zog er mit seiner Familie ins nahe gelegene Bottmingen. Seit diesem Jahr studiert Kaiser Wirtschaftsinformatik in Olten. In seiner spärlichen Freizeit, wenn es sie denn nebst dem Handball und Studium überhaupt gibt, ist er auch gern, wen wundert‘s, in Bewegung und übt gerne diverse andere Sportarten aus, vermutlich zusammen mit Freunden, mit welchen er sich doch auch gerne trifft.

Wie bist du zum Handball gekommen?
„Zum Handball bin ich durch meinen Vater (aktiver ehemaliger Handballer), respektive durch meine Brüder gekommen (Severin Kaiser, Jg. 94, spielte mit Sebastian zwei Saisons bei Endingen und ist aktuell beim RTV Basel unter Vertrag). Zuerst habe ich aber Tennis gespielt.“ Dabei resümiert er, dass diese Ballsportart nicht „seine“ Sportart gewesen sei. Im Alter von neun Jahren erlernte er schliesslich mit seinem kleinen Bruder die spielerische Form Minihandball. Da muss es gefunkt haben und der Junge stellte schon damals fest, dass er es mochte, wenn es kaum Pausen gab, um sich zu erholen, da alles sehr schnell ging. Weiter ergänzt er, dass es spannend sei, kaum wäre der Ball im Tor, müsse man schon das nächste Gegentor zu verhindern versuchen.

Du hast auch in der U19-Nationalmannschaft gespielt?
Bei den Recherchen über Sebastian Kaiser stösst man auch auf seine unvergessliche und anspruchsvolle Zeit in der U19-Nati. Gern wollten wir deshalb etwas mehr Informationen über diese Herausforderung erfahren. Kaiser erzählt es so: „Durch ein Sichtungstraining in Winterthur bin ich in das U19-Nationalteam gekommen. Ich habe lange Rückraum und Flügel bei den Junioren gespielt und mich dabei gut präsentieren können. Nach dem Sichtungstraining hatten wir natürlich viele Lehrgänge und Turniere in verschiedenen Ländern wie: Deutschland, Österreich, Tschechien, Katar und Schweden. In Ungarn hatten wir dann die EM-Qualifikation und konnten uns für die EM in Montenegro qualifizieren. Mit dem resultierenden 6.Rang durften wir danach an die WM nach Argentinien (Mar del Plata) reisen, zusammen mit Trainer Michael Suter. Das war einer meiner geilsten Handballmomente. Vor den Spielen bereisten wir mit dem Team einige Destinationen dieses Landes und landeten per Zufall in der Schweizer Botschaft von Buenos Aires. Dort war gerade der Empfang für die Schweizer Ski-Nati im Gange!“. Und so kamen Kaiser und seine Kollegen, samt Betreuerstab, unverhofft mit Cuche, Defago, Hoffmann und Zurbriggen in Kontakt, welche ihnen viel Erfolg für die anstehende WM wünschten. „Nach diesen unvergesslichen Momenten mussten wir in den Gruppenspielen gegen Teams aus Gabun, Chile, Spanien und Argentinien antreten. Spanien war der Favorit in der Gruppe und so wurde es für uns ein Duell um Platz zwei: Schweiz gegen Argentinien mit unglaublichen 6000 Fans in der Halle. Nach dem Spiel und dem Aus der Gäste, war das einheimische Publikum plötzlich auf unserer Seite, aber es reichte im weiteren Verlauf trotzdem nicht weiter (Endstation Achtelfinale gegen die starken Dänen) und wir erreichten schlussendlich den 6. WM-Schlussrang.“ Lächelnd fügt er an, dass er aber bis heute noch ab und zu Kontakt zu ein paar wenigen Freunden aus diesem Land pflege.


Handballer und Skifahrer in der Schweizer Botschaft in Buenos Aires.

Und jetzt spielst du beim TV Möhlin, weshalb?
„Ich habe vom TV Möhlin gewusst, dass in der Halle jeweils viele Fans mitfiebern und eine tolle Stimmung herrscht. Auch wenn es den Fricktalern nicht lief, waren stets etliche Zuschauer an den Auswärtsspielen mit dabei“. Zu seinem Wechsel vom TV Endingen (zusammen mit Trainer Cordas) zum TVM meint er: „Als ich zum TV Möhlin gestossen bin, war es für mich eine Riesenumstellung. Am Anfang haben wir noch nicht wirklich zusammen harmoniert. Wir haben viele Fehler gemacht. Doch je länger die Saison dauert, desto mehr bin ich überzeugt, dieses Team ist wirklich ein Team, welches nach grösseren Zielen strebt. Wir treffen uns auch privat, ausserhalb des Feldes“. Und weiter gefällt ihm, dass auf dem Platz jeder präsent ist und versucht 100% zu geben.

Wie bereitest du dich auf einen Match vor?
Ich achte nicht speziell auf Ernährung, Regeneration oder elektrolytische Getränke vor einem Match. Das Einzige, was ich vor den Spielen mache, ich gehe möglichst früh ins Bett. Anders im mentalen Bereich: Ich arbeite seit knapp drei Jahren mit Nino Paneduro (Mentaltrainer) zusammen. Durch ihn habe ich gelernt mit Misserfolgen umzugehen und mich vollkommen auf das Spiel zu fokussieren. Durch Nino habe ich erst wirklich erfahren, wie wichtig mentale Stärke ist und wo sie überall weiterhelfen kann.

Wie erholst du dich vom Handballsport?
Mit fünf Trainings in der Woche sind wir schon ziemlich ausgelastet, trotzdem versuche ich, mich in den Sommerferien meistens mit anderen Sportarten wie Basketball, Ping-Pong, Joggen und Velotouren weiter fit zu halten oder „zu erholen!“

Was motiviert dich, den Handballsport auf diesem hohen Level auszuüben?
Ich bin sehr ehrgeizig und das auch insbesondere im Handballsport. Deshalb hat mich das Projekt in Möhlin mit Zoltan sehr angesprochen. Die Mannschaft hat das Zeug dazu, in der Nationalliga B vorne mitzuspielen und ich selbst will dazu beitragen diesem Team zu helfen. Wer nach oben will, muss dafür auch etwas tun und fügt nach dem Punkt ein „Smiley“ hinzu. Kaiser spielt meistens den ganzen Match durch und wirkt im Rückraum.

 

Für den TV Möhlin, Christine Steck

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