12.07.2016
Auf einen Sommerdrink mit Adrian Blaser!
Vom begeisterten Handballspieler zum Juniorinnentrainer des TV Möhlin: Adrian Blaser über seine Stationen beim TV Möhlin und die Motivation Juniorinnentrainer zu sein.
Noch ruht der Handballbetrieb gegen aussen, aber hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen des TVM bereits intensiv für die Handballsaison 2016/17, welche im Herbst beginnt. Grund genug mit einem der Protagonisten aus der Trainerabteilung ein Gespräch zu führen. Adrian Blaser aus Möhlin, den meisten besser bekannt als «Buur», gehört zu ihnen, spielt seit er elf Jahre alt ist, leidenschaftlich gern Handball (momentan beim TV Stein), bevor er in jungen Jahren zum Traineramt fand. Blaser gesteht, er mag die Härte, das Körperbetonte an diesem Sport, dribbelt aber auch mal gerne mit einem Fussball oder versucht es als Beachvolleyballer. Zudem geht er gerne joggen und schwimmen. Beruflich arbeitet der engagierte Möhliner als Materialplaner in der Supply Chain der Feldschlösschen Gruppe in Rheinfelden und studiert berufsbegleitend Betriebsökonomie an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel (noch ein Jahr). Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernbetrieb, trifft man ihn auch auf dem Hof an, wo er auch mal seinem Vater aushilft.
Laufbahn beim TV Möhlin
Blaser erzählt, dass er durch einen Schulkollegen zum Handballspiel gekommen ist und gemeinsam mit ihm ein Training besucht habe. Ungefähr mit elf Jahren begann seine Aktivzeit beim TV Möhlin in der U13, danach durchlief er sämtliche Juniorenstufen MU15, MU17 und MU19, ehe er später in die 2.Liga beim TVM wechselte. «Kreisläufer ist meine absolute Lieblingsposition, weshalb ich so gut wie immer am Kreis gespielt habe», meint er dazu. 2010 begann seine Trainertätigkeit bei der U13 zusammen mit Marc Scheuner und Simon Neuenschwander, als Leiterteam. In der Saison 2011/12 erreichten sie mit der U13 den Regionalmeistertitel und an der Schweizer Meisterschaft erspielten sie mit der jungen Mannschaft den 6.Platz. Danach hat Adrian Blaser die Mädchenmannschaft FU15 übernommen. Marc Scheuner, alias Panzer, immer als treue Stütze mit an Bord. In bester Erinnerung bleibe ihnen die Saison 2014/15, als sie zusammen mit den Mädels FU17 Regionalmeister wurden und den Aufstieg in die höchste Liga, in die Elite geschafft hatten. Dort durfte die Truppe wertvolle Erfahrungen sammeln und spielt nun dieses Jahr in der FU18 Promotion, in welcher sie von September bis Dezember um den Aufstieg in die Inter-Halbjahresmeisterschaft kämpfen wird.
Trainer - ein Amt mit vielen Facetten!
Primär will Adrian Blaser die Jugendlichen «abholen» und mit ihnen sportlich unterwegs sein und natürlich das Handballspielen beibringen. Zum Handwerk gehören für ihn, das Spielverständnis fördern, den Teamgeist und den Zusammenhalt pflegen. Er beschreibt, dass das Spielverständnis auch entstehe, wenn man mal mit den Spielerinnen ein Handballspiel besuche. Und um den Teamgeist zu fördern, gehe man bspw. gemeinsam in die Badi, zum Bowlen oder Minigolfspielen oder nach einem Match essen. Es gehöre nebst dem Sportlichen, den harten Trainings auch dazu, zusammen durch dick und dünn zu gehen. Wichtig ist für den jungen Trainer aber auch, dass die Kinder und Jugendlichen Spass haben am Handball, mit ihren Teamkollegen, den Trainern und am Verein selbst. Denn nur so sei ein hoher Trainingsbesuch, grosse Einsatzbereitschaft und Disziplin möglich und werde auch selbstverständlich. Auf diesen Eigenschaften basiere dann die richtige Einstellung zum Handballsport. Blaser ist überzeugt, dass nur mit gegenseitigem Vertrauen und Verständnis zwischen Trainer und Spieler/Innen, später leistungsorientiert trainiert werden kann. So komme dem Trainer auch eine erzieherische Rolle zu, er müsse vorleben, was er von seinem Team erwartet. Und wird mit der Zeit auch zu einer wichtigen Vertrauensperson, welche die Jugendlichen auch bei Problemen ausserhalb des Handballsports unterstützt, beratet oder ermutigt. Abschliessend betont Blaser: «Ich lege auch Wert darauf, dass wir uns nach einem Spiel anständig verhalten und uns durch Erfolge oder Misserfolge nicht aus dem Konzept bringen lassen».
«Frauenhandball - davon halte ich nichts»!
Früher hatte Adrian Blaser herzlich wenig übrig für Frauen, welche Handball spielten. Erst als er in der U13 miterlebte, wie kämpferisch sich dort die Mädchen verhielten, verblüffte ihn diese Stärke erst mal und motivierte ihn danach, mit diesen Mädchen weiter zu arbeiten (daraus entstand die FU15 mit Co-Trainer Marc Scheuner). Blaser meint, dass Mädchen, welche Handball spielen, im Training genauso hart trainiert werden sollen, wie Knaben. Er ist gegen eine «Verweichlichung», denn es sei nun mal extrem körperbetont und hart und man müsse schnell lernen, ebenso hart und aggressiv, aber auch fair Zweikämpfe führen zu können. Ein gutes Beispiel sieht Blaser in der Besetzung des Torhüters; der Schlussmann, in unserem Fall die Schlussfrau, welche mit einem Nahwurf an den Kopf konfrontiert, trotzdem weiter im Spiel agieren und im Moment mögliche Schmerzen ausblenden müsse.
Als Trainer der zukünftigen FU18 erwartet Blaser von seinen Schützlingen absolute Konzentration und Disziplin. Vor und nach den Trainingseinheiten können durchaus Probleme angesprochen werden, das sei auch wichtig für den guten Teamzusammenhalt und das gegenseitige Verständnis zwischen Trainer und Spielerin. Und ihm sei auch bewusst, dass Mädchen private Probleme im Training nicht so gut ausblenden könnten, wie Knaben. Entsprechend sei es für ihn wichtig, über aktuelle Sorgen seiner Spielerinnen informiert zu sein. Ansonsten bescheinigt der enthusiastische Möhliner Jungtrainer seinen Mädchen, dass sie extrem ehrgeizig seien, immer Vollgas geben und Fehler immer zuerst bei sich selbst suchen würden. Andererseits ist er sich auch bewusst, dass es nicht immer einfach ist mit 14 pubertierenden Mädchen zu arbeiten. Und meint schmunzelnd: »Ich habe mittlerweile gelernt aufzupassen, was ich sage, da eine Frau nie vergisst, was man einmal gesagt hat».
Ohne Begeisterung geht es nicht!
Fragt man nach den Motivationsgründen für die Trainertätigkeit, antwortet Adrian Blaser: «Ich arbeite gern mit anderen zusammen und bereite anderen gerne Freude. Wenn ich nach einem Training glückliche (wenn auch hoffentlich erschöpfte) Spielerinnen erlebe, kommt das auf mich zurück. Auch die Leistungsbereitschaft der FU18-Girls spornt mich extrem an. Es ist toll zu sehen, wie sie im Training alles geben und bis an ihre Grenzen gehen. Das motiviert die Trainerarbeit und ich bereite ein hoffentlich effizientes Training gern vor». Auf den Anforderungskatalog eines Trainers angesprochen, wird die Liste lang und länger: Jahresprogramm erstellen, Meisterschaftsspiele ansetzen, Saisonvorbereitung planen, Trainingsweekends organisieren, Trainingsspiele ansetzen, Spielsysteme definieren, Lernziele für Team sowie die einzelnen Spielerinnen festlegen etc. etc., um nur einige Stichworte zu nennen. Der Umfang ist enorm und das Pensum erhöht sich während der eigentlichen Meisterschaft zusätzlich auf zwei- bis dreimal wöchentlich 1,5 Stunden eigentliches Training, welches auch vor- und nachbereitet werden muss; kommt noch die Zeit hinzu, welche für Einzelgespräche und Coaching einzelner Spielerinnen oder für die Analyse von Gegnern aufgewendet werden muss. Blaser betont, dass er deshalb unglaublich dankbar ist, mit Marc Scheuner als Co-Trainer, einen verlässlichen Mann an seiner Seite zu wissen: «Marc unterstützt mich bei vielen Aufgaben, leitet auch mal ein Training oder betreut verletzte Spielerinnen an der Seitenlinie». «Panzer» spielt seit seiner frühesten Kinderzeit Handball, ist mit dem TV Möhlin gross geworden und verkörpert den Teamplayer par excellence: treu, hilfsbereit und aktiv an vielen Fronten in seinem Verein (Saison 2015/16 spielte Panzer bei der SG Magden-Möhlin 1.Liga).
Abschliessend fügt Adrian Blaser hinzu: «Der TV Möhlin ist als Verein extrem stark und im Fricktal präsent vertreten. Für mich ist der TVM wie eine grosse Familie, bei dem alle dazu gehören. Wir sind ein Team, haben eine Leidenschaft und ein gemeinsames Ziel, nämlich den Handballsport zu fördern. Dazu braucht es die Handschrift von vielen, vom kleinen «U9-Zwerg» bis zum erfahrenen und gefeierten Spitzensportler in der ersten Mannschaft» und eben auch die Bereitschaft von vielen Menschen ausserhalb des Spielfeldes, sich irgendwo helfend und unterstützend zu engagieren».
Von Christine Steck für den TV Möhlin