09.04.2017
Sandro Soder - mit dem TV Möhlin gross geworden!
Sandro Soder feiert in diesen Tagen seinen 30-igsten Geburtstag zusammen mit seiner Zwillingsschwester Vanessa. Sein Alter und seine neue Rolle als Vater zählen zu den Gründen, weshalb der leidenschaftliche Handballer seine Karriere in der NLB beenden wird.
Sandro Soder wird am Mittwoch 26.April ein letztes Mal im TV Möhlin-Trikot auflaufen. Es ist das letzte NLB-Heimspiel gegen den HC Wädenswil und zugleich Saisonende. In den letzten Jahren ist Soder am rechten Flügel zum Stammspieler geworden. Seit längerem durfte er die Captainbinde tragen und durchlebte mit dem Eins viele Hochs und Tiefs. Das Kraftbündel mit dem eigenen Schalk im Nacken hat beim TV Möhlin sämtliche Juniorenstufen durchlaufen und ist ihm bis heute treu geblieben. Nachfolgend ein Versuch, seine Handballstationen in Fragmenten wiederzugeben.
Die Kinderjahre
Sandro Soder ist am 9.April 1987 in Möhlin geboren und aufgewachsen. Schon früh erkor er die nahe Steinlihalle zu seinem Lieblingsspielplatz. Hineingeboren in eine handballbegeisterte Familie (Vater Max und Mutter Maja waren aktive Handballer, danach Trainer), begleitete er seine Eltern und seine beiden Schwestern bald an jedes Training oder an die Handball-Turniere. Er wurde Fan der Damenmannschaft und bewunderte die erste Mannschaft des TV Möhlin. Aus dem kleinen Zuschauer wurde aber bald ein aufgeweckter Balljongleur. Er beschreibt in seiner späteren Lehrlingsarbeit (LAP), dass er schon damals den Ball nicht als Fussball benutzte, sondern immer das Prellen mit den Händen übte. Seine Mutter Maja, welche damals die Minis trainierte, liess ihn mittun und seine Passion ausüben. 1993, im Alter von sechs Jahren, durfte der kleine Sandro erstmals mit den jüngsten Junioren bei den Minis A mittrainieren. Stets hinkte er altersmässig den Jahrgängen hinterher, war aber technisch weit und verfügte über ein gutes Spielverständnis. Zwar sei ihm die Abnabelung von seiner Mutter als Trainerin schwergefallen, aber dafür hätte er mit den grösseren Jungs üben dürfen, meinte Sandro weiter in seiner Arbeit.
Die Jugendzeit
Mit elf Jahren wechselte er zu den D-Junioren, was heute den U15- Spielern entspricht. Das war ein grosser Schritt, denn jetzt spielte der ehrgeizige Sandro auf dem grossen Handballfeld, er musste lernen zusammen zu spielen und Täuschungen, Schüsse, Pässe etc. beherrschen. Nach nur einem Jahr bei den D-Junioren wechselte Sandro auf Anfrage des C-Juniorentrainers ins nächst höhere Kader und bestritt die ersten Turniere. Seit dann ist auch der erste Spielerpass von Sandro, vom 17. August 1999, datiert! Es reichte spieltechnisch für die C-Meisterrunde und einen zwischenzeitlichen enttäuschenden sechsten Tabellenplatz, ehe die Wende doch noch kam und sein Team schlussendlich den ersten Platz erreichte und sich Nordwestschweizer Meister nennen durfte. Im folgenden Spieljahr gelang der Aufstieg in die C-Junioren Inter-Klasse mit einer makellosen Bilanz: 24 Punkte aus 12 Spielen und eine Tordifferenz von 253:133! Da war Sandro dreizehn Jahre alt.
Talentierter Nachwuchs-Handballer (2001-2004)!
Ein Jahr später wurde Sandro (14) in die Nordwestschweizer Auswahl aufgeboten. In diesem Team lernte der Fricktaler neue Spielerkameraden kennen und konnte in der ganzen Schweiz und in Deutschland an diversen Turnieren teilnehmen. Zuhause sind seine Stationen jetzt die U17 und die U19, wo er aushelfen durfte. Nach der Sommerpause bestritt Soder mit Kollegen aus der ersten und zweiten Junioren-Mannschaft für den TV Möhlin zudem den Grossfeld-Cup. Da stand er denn als erst Fünfzehnjähriger und jüngster Spieler überhaupt im Einsatz gegen die NLA-Mannschaft der Grasshoppers Zürich. Danach wartete die Saison 2002/03, wo mangels U19-Spieler zwei U17-Mannschaften entstanden. Die bessere U17-Mannschaft schaffte, nicht ohne laufende Abgänge, die Qualifikation in die Interklasse (das war damals die höchste nationale Spielklasse). Und so reiste der Teenager nun mit seiner Mannschaft nach Frauenfeld, Schaffhausen, Wohlen oder Zürich. Gleichzeitig begann Soder seine Berufslehre zum Spengler/Sanitär bei der Gersbach AG in Rheinfelden. Unterdessen war die Saison 2003/04 angebrochen und mit ihr folgte ein weiterer Höhepunkt. Sein Team durfte nämlich dank den Kontakten zu Micha Bojovic für ein mehrtägiges Trainingslager nach Slowenien reisen. Bojovic war Spieler und Trainer der ersten Mannschaft gewesen und übte eine prägende Wirkung auf Sandro aus. Soder schmunzelt über diesen Abstecher und meint: « Wir haben nicht arg viel Handball gespielt, sondern Ausflüge gemacht, was aber der Teambildung diente! Trotzdem war das abschliessende Spiel gegen den slowenischen U20 Meister in einer Halle, wo 5000 Zuschauer Platz gefunden hätten, für mich ein wahnsinniges Gefühl»! Nach den Tagen in Celje ging zuhause die Meisterschaft los. Nach weiteren Spielen und einer wichtigen Aufstiegspartie im Steinli glückte der Aufstieg in die U19 Inter-Klasse und ab 2004 spielte der TV Möhlin wieder in der höchsten Handballliga mit.
Mit 17 in die erste Mannschaft berufen!
In der Saison 2004/05 begann Soders Karriere in der ersten Mannschaft, welche damals in der ersten Liga spielte. Anfänglich waren es drei Einsätze, nebst dem Pensum in der MU19i und einem Abstecher in die zweite Mannschaft. Mit 17 träumte Sandro auch davon ins nationale Kader zu kommen. Aber das klappte nicht, weil der Junior nicht über die gewünschten Gardemasse verfügte und die Alterskonkurrenz gross war. Ab 2006/07, mittlerweile 20-jährig, bestritt Soder dann 22 Partien mit der ersten Mannschaft und wurde zur festen Grösse. Danach folgten fünf Saisons in der ersten Liga mit wechselnden Trainern und Mannschaftskollegen, ehe 2012 der legendäre Aufstieg in die NLB erfolgte. Soder war nun mit 25 Jahren im besten Handballalter. Seither bestritt der unermüdliche Schaffer gegen 140 Einsätze in der zweithöchsten Handball-Liga der Schweiz.
Was waren die besonderen Momente, rückblickend?
Auf die Frage nach seinen Highlights, antwortet Sandro: «Das war sicher der frenetisch gefeierte Aufstieg von der ersten Liga in die NLB (2012), wo das halbe Dorf in der Steinlihalle mitfieberte. Aber rückblickend bin ich auch stolz, nie mit einer Mannschaft abgestiegen zu sein. Und ich verbrachte tolle Handballjahre mit Philipp Schmid, Florian Hürbin, Premtim Zeqai oder Alain Wenger, mit welchen ich immer noch freundschaftlich verbunden bin».
Was kommt nach deiner Sportlerkarriere?
Sandro Soder trainiert bereits «nur» noch viermal in der Woche und wurde für das eine oder andere Auswärtsspiel nicht mehr aufgeboten. Er weiss also, wie es sich anfühlt, etwas kürzer zu treten. Er meint: «Ich will weiter Handball spielen, will mich aber mit meiner jungen Familie absprechen». Und bekräftigt, dass er sich genug Zeit nimmt, um die Angebote mit seiner Familie zu besprechen. Sandro Soder hat im August 2016 seine Steffi geheiratet, wenig später im November kam Sohn Yven zur Welt. Und erzählt schmunzelnd weiter: «Ich werde ganz bestimmt die Heimmatches des Eins mitverfolgen wollen und ab und zu im Publikum sitzen»! Man glaubt es ihm aufs Wort, denn Soder hat sein halbes Leben mit dem TV Möhlin verbracht, hat mit ihm gelitten und gejubelt. Diese Symbiose kann man nicht einfach auflösen.
Abschliessend darf man anfügen, die Fülle an Stoff über all die wechselvollen Beziehungen zu Trainern, Teamkollegen oder die eigentlichen Handballspiele ist enorm. Auch die Rolle und der Einfluss von Vorbildern in seinen jungen Jahren, wäre interessant. Schliesslich schwärmte auch der kleine Sandro einmal für Namen aus der Handballszene (Danjiel Radulovic, Marc Droll oder Daniele Cafasso). Ganz sicher war die Zeit als Aktiver beim TV Möhlin nicht immer ein Spaziergang, musste Soder lernen mit schwierigen Situationen umzugehen und weitermachen, auch eigene Ansprüche korrigieren, um im Spannungsfeld Leistungssport funktionieren zu können. Eine Schule fürs Leben also. Man darf gespannt sein, wer vom Nachwuchs dereinst sagen wird, Sandro Soder war mein Vorbild, seine hilfsbereite Art, seine Treue zum Verein oder sein Tempospiel am Flügel haben mich beeindruckt.
Für den TV Möhlin, Christine Steck
Fotos: Michi Mahrer