06.08.2017
Neuer Trainerstatus für Marco Ruflin: B-Lizenz!
Kürzlich hat Marco Ruflin aus Zeiningen die B-Lizenz im Trainerwesen erworben. Die Trainer-ausbildung im Schweizerischen Handballverband gliedert sich in fünf Lizenzstufen. Die A-Lizenz bedeutet den Status Berufstrainer, die B-Lizenz beinhaltet den Titel J+S Nachwuchs-trainer.
Damit ist der 41-Jährige nun zur Leitung folgender Ligen berechtigt: MU15-MU19 Elite, Frauen SPL 2 und Männer NLB (Quelle SHV). Der seit zwei Jahrzehnten beim TV Möhlin wirkende Handball-Förderer, musste zuvor eine 23 Seiten umfassende schriftliche Arbeit verfassen, um überhaupt zum zweiten Teil des Kurses zugelassen zu werden. Diese veranschaulicht seine Beweggründe zur Erlangung des «J+S Nachwuchstrainer Lokal Handball» und dokumentiert den Leistungsalltag seines aktuellen Teams beim TV Möhlin (MU17 Inter SG Möhlin / Magden). Der Vater von zwei Kleinkindern und Geschäftsführer eines Gartenbau-Unternehmens fungiert als Assistenztrainer in der MU17 zwar eher an zweiter Stelle, behält aber dadurch den Kontakt zur Mannschaft. Marco Ruflin kann sich gut vorstellen, später wieder vermehrt Aufgaben und mehr Verantwortung im Juniorenbereich zu übernehmen.
Die Kernbereiche beibringen!
In einem weiteren Abschnitt seiner dokumentierten Arbeit befasste sich der engagierte Trainer mit den Strategien zur Erreichung des eigentlichen Saisonzieles, dem Ligaerhalt. Dieses wurde dank der sehr guten Resultate in der Hauptrunde, nach oben angepasst. Infolgedessen unterstützte seine Mannschaft auch die MU19-Elite um den Verbleib in der höchsten Juniorenliga. Weiter analysierte Marco Ruflin die Stärken und Schwächen im MU17-Gefüge und skizzierte bspw. die möglichen taktischen Elemente (3:2:1-Verteidigung, Positionsangriff oder Tempoangriff). Danach beschrieb Ruflin den nächsten Gegner, die HSG Suhr/ Aarau und dokumentierte, anhand von aufgezeigten Lösungsmodellen, ausführlich seine Spielvorbereitung mit seinen Schützlingen.
Videostudium ist trendy!
Auch Marco Ruflin arbeitet mit Videopräsentation und versuchte so bspw. die Grundauslösungen von Suhr/ Aarau aufzuzeigen. Darauf baute er seine «Einstellung» der Mannschaft und beruhte sein weiteres Coaching. In einem spannenden Matchbericht aus Sicht des Trainers wurden anschliessend der Spielverlauf und die Wechselgründe erläutert. Der Match ging klar zu Gunsten des Gastgebers in Aarau aus, Möhlin/ Magden kam an jenem Samstagabend nicht in die Gänge. Zu miserabel sei die kämpferische Leistungsbereitschaft gewesen und leider fehlte es im Tor an der nötigen Abwehrresistenz. In der abschliessenden Reflexion berichtete Marco Ruflin vom « sensibler Abholen» des Teams, welches wohl an jenem Abend in der Kabine zu heftig ausgefallen sei. Er stellte aber auch fest, wie schwierig das Wachrütteln in solchen Spielverläufen sein kann. In den nächsten Trainings werden dann genau diese Problemzonen behandelt werden und daraus die nächsten Trainingsschritte abgeleitet.
Es braucht engagierte Trainer an der Seitenlinie!
Der TV Möhlin ist auf motivierte Nachwuchsausbilder mit Fachkompetenz angewiesen. Die Basisarbeit muss funktionieren, wenn daraus einmal starker Nachwuchs hervorgehen soll. Marco Ruflin hat mit 18 Jahren den J+S-Grundkurs absolviert und war danach immer als Trainer im Dienste des TV Möhlin tätig. Zuerst zusammen mit Max Soder, dem Vater von Ex-NLB- Spieler Sandro Soder und danach bald allein an der Seitenlinie. Die Teampalette war bunt: Interklassen von MU15 bis MU19, das DRÜ, die Damen und auch die Juniorinnen zählen dazu. Ruflin war auch schon im Vorstand und in der technischen Kommission aktiv. Letzteres behagte ihm aber, nach eigenen Aussagen nicht, er sei dann schon lieber aktiv in der Halle. Weiter zählt Marco Ruflin zu den Pionieren für die «Baranoia» und wirkt bei der grossen TVM-Party jeweils als OK-Mitglied an vorderster Front mit.
Was soll ein Trainer vermitteln und anstreben?
Ruflin äussert dazu: «Das Handball-Wissen weitergeben ist das eine, wichtig sind für mich aber auch Verhaltensregeln. Ich lege grossen Wert auf Respekt und ein Miteinander und auch, dass die Jugendlichen das Vereinsleben kennenlernen und schätzen. Sie sollen sich wohlfühlen. Sie sollen aber auch einen Leistungsgedanken vermittelt bekommen, welchen sie nicht nur im Sport gebrauchen können. Eine ehrgeizige Haltung bringt dich auch in der Schule oder im Berufsalltag weiter. Sehr wichtig finde ich, dass du die jungen Leute begeistern kannst. Man muss sie abholen und mit dem eigenen Handball-Virus anstecken. Man muss ihnen die eigene Begeisterung und Leidenschaft zeigen können. In meinen Anfängen als Trainer war ich ein richtiger «harter Hund», jetzt bin ich ruhiger geworden. Obwohl, wenn nötig, kann ich immer noch seeeeehr fordernd sein und laut werden». Und fügt schmunzelnd bei: « Es haben schon einige Male die Wände gezittert, wenn ich mal richtig Gas gegeben habe»!
Sorgen und Nöte als Handballlehrer?
Marco Ruflin gesteht: «Die jungen Menschen haben es heute schwieriger als noch vor zwanzig Jahren. Man spürt, dass sie viel «abgelenkter» sind als früher. In der Regel zählen die Jugendlichen neben dem Handball noch andere Hobbies zu ihren Aktivitäten, weshalb es immer schwieriger wird, die Spieler dazu zu bringen, sich nur aufs Handballspielen zu konzentrieren. Zudem nimmt der Leistungsdruck in der Schule oder in der Berufslehre zu». Hier nun vernünftig und doch erfolgsorientiert anzusetzen, die Mentalität des Nachwuchses zu beeinflussen, scheint anspruchsvoller zu werden. Ruflin ergänzt in diesem Zusammenhang: « Ich kann nicht gut verlieren und möchte eigentlich immer gewinnen! Niederlagen, welche durch mangelnde Teamleistung zustande gekommen sind, beschäftigen mich auch heute immer noch. Niederlagen, bei welchen man als Team, mit vereinten Kräften alles gegeben hat, beschäftigen mich hingegen kaum mehr. Am meisten bedrückt es mich, wenn die Chemie im Team nicht stimmt. Ich habe es gerne harmonisch und möchte mit den Junioren auch eine gute Zeit verbringen, welche ich ja als Coach und Mensch begleiten darf».
Und was wünscht sich Marco Ruflin für die Zukunft, für sich selbst?
Ich wünsche mir natürlich, dass viele jüngere Personen ebenfalls die Trainerkarriere in Möhlin wählen und wir für die nächsten Jahre hinaus junge Sportler zu Handballspieler formen können. Es braucht immer ein gutes und breites Trainerteam in allen Mannschaften, denn nicht nur in Schule und Beruf stehen alle unter Druck, auch die Trainer selbst. Deshalb macht es mehr Spass, wenn man die Arbeit auf verschiedenen Schultern verteilen kann.
Für mich persönlich ist das Trainieren einer Mannschaft aber vor allem noch sehr wichtig, als Ausgleich zu meinem fordernden Berufsalltag. Ich habe immer wieder mal auch schwierige Tage und dann kann man im Training auf andere Gedanken kommen und muss nicht mit schlechter Stimmung nach Hause. Das ist auch meine Motivation aktuell, denn zeitlich liegt ein Traineramt neben meiner beruflichen Auslastung eigentlich gar nicht drin.
Lieber Marco, vielen Dank für das Interview und herzliche Gratulation zur B-Lizenz! Grossartig, wie du dich über all die Jahre als Trainer für den TV Möhlin engagiert hast! Viel Erfolg weiterhin beim «Formen» der kleinen und grossen Handballmeister!
Für den TV Möhlin, Christine Steck