Patrik Vizes - Rückraumspieler beim TV Möhlin!

Der fast zwei Meter grosse Ungar Patrik Vizes stiess Anfang August zum TV Möhlin. Er unterschrieb einen Vertrag für zwei Jahre. Der 23-jährige Rückraumspieler sollte die Lücke von Marcus Hock füllen, welcher zum STV Baden gewechselt hat. «Sollte», denn Vizes verletzte sich bereits nach sechs Wochen im Cupspiel gegen Endingen.

Das Verletzungspech schlug zu
Der ruhig wirkende ungarische Handballer bestritt das erste Meisterschaftsspiel vom TV Möhlin gegen die SG Yellow/ Padi Espoirs und warf damals sechs Tore, davon zwei Siebenmeter. Danach brach er sich im Cup-Achtelfinal gegen Endingen in den Schlussminuten einen Mittelhandknochen. Das war am Sonntag, den 10.September. Erst seit wenigen Wochen in der Schweiz, musste Vizes bereits unters Messer und gute zwei Monate pausieren. Nun ist die Heilungsphase abgeschlossen und Patrik Vizes kann wieder aufspielen. Der Student mit Fachrichtung «Sport-Event» wird voraussichtlich im Auswärtsspiel gegen die Kadetten eingesetzt und wird auch in der kommenden Heimpartie gegen Biel zu sehen sein.

Erfolgreicher Junior!
Patrik Vizes ist in Eger (Ungarn), einer Stadt mit 56000 Einwohnern, zusammen mit seiner Schwester aufgewachsen. Er spielte früh leidenschaftlich gerne Fussball und begeisterte sich aber auch für Handball. Und musste sich mit zwölf, dreizehn Jahren für eine Sportart entscheiden. Er tat sich schwer damit, denn er war in beiden Sportarten talentiert und er liebte ja eigentlich den Fussball. Schlussendlich hat er sich für Handball entschieden, denn die Verbundenheit zu dieser körperbetonten Sportart lag in der Familie, hatte Tradition. Er besuchte in den folgenden Jahren die Handballschule in Veszprém, eine Art Sportgymnasium und wurde ins ungarische Juniorennationalkader berufen. Als noch nicht Zwanzigjähriger bestritt er mit dem Nationalteam die EM für Ungarn. In den Sommermonaten frönte er zudem dem Beach Handball. Die Sandvariante des Handballs ist eine junge Sportart (seit 1992, erstmals in Italien) und hatte auch ihn, im Alter von sechzehn, in seinen Bann gezogen. Er gehört auch da zum ungarischen Nationalteam, hat als Youngster an einer EM gewonnen, an Weltmeisterschaften und Weltspielen teilgenommen. Sein Beachhandball Klub Hír-Sat BHC wurde kürzlich Vierter am Beach Handball Champions Cup in Gran Canaria. Zuletzt spielte Vizes Hallen-Handball beim Dabas KC VSE in der Nähe von Budapest.

Warum ausgerechnet zum TV Möhlin?
Patrik erzählt, dass er zuerst in Norwegen und Schweden Probetrainings besucht hat. Irgendwann sei er dann mit Attila Kun ins Gespräch gekommen, der ihm den Tipp mit der Schweiz gegeben hat. Attila ist ein guter Freund von Patrik. Attila Kun spielte 2016/17 für die Lakers Stäfa (NLB) und wechselte auf die aktuelle Saison hin zum A-Ligisten Fortitudo Gossau. Es kam der Kontakt mit Zoltan Cordas zustande, welcher sich als gebürtiger Ungar bestens mit dem interessierten Spieler verstand. Ausserdem brauchte der Fricktaler Verein dringend Verstärkung auf der Rückraumposition und war deshalb froh, in Vizes einen geeigneten Kandidaten mit Sprungwurfqualitäten gefunden zu haben. Patrik misst 1.97m. Nur Tin Tokic ist grösser, dieser wirkt aber im Abwehrzentrum und hilft die Verteidigung zu stabilisieren. Der eigentliche «Rückraum» mit Manuel Csebits, Sebastian Kaiser oder Florian Wirthlin verfügt über Grössen um 1.84m. Sie müssen ihre Spielweise deshalb mehr auf die Athletik und das Durchsetzungsvermögen im Eins gegen Eins ausrichten.

Alltag in Möhlin
Patrik Vizes lebt seit dem ersten August 2017 in Möhlin. Seine Bleibe ist voraussichtlich noch bis Ende Jahr im Haus des neuen Präsidenten Simon Mahrer. Der 23-Jährige fühlt sich in seiner neuen Umgebung sehr wohl und geniesst den Familienanschluss und die grosse Gastfreundschaft. Nach und nach erkundet Vizes die Region, hat für seine vergangene Operation das Spital Liestal kennengelernt und kennt sich natürlich auch auf dem Flughafen in Basel aus. Denn Vizes fliegt gern für kurze Zeit nach Hause um seine Familie zu besuchen. Er meint: «Sie fehlt mir sehr, ich vermisse meine Freundin, meine Freunde vom Sport und meine Familie». Weiter fehlt ihm auch die ungarische Küche, welche «spicy», also würzig sei. Andererseits hat er eine Schwäche für die vielen verschiedenen Salatsaucen entwickelt und überraschte kürzlich seine Mutter mit einer französischen Rezeptur aus der Schweiz.

Ziele für die Zukunft
Trotzdem, Patrik will die zwei Jahre hier nutzen und so schnell wie möglich auch die deutsche Sprache erlernen. Mit seiner Gastfamilie und der Mannschaft kommuniziert er in Englisch, was eigentlich ganz gut funktioniere. Wenn er aber Lust hätte, mal wieder in seiner Muttersprache zu parlieren, treffe er sich mit den ungarischen Handballkollegen. Vizes kennt auch Gábor Császár flüchtig, den besten Spieler von Kadetten Schaffhausen. Der zehn Jahre ältere Ungar Császár war einmal Handballlehrer von Patrik. In diesem Zusammenhang erzählt Vizes, dass dessen Name in den Schweizer Printmedien oft nicht korrekt geschrieben werde. Auf allen «a»’s müsste ein Schrägstrich sein um den Namen richtig zu betonen, ähnlich wie der französische «accent égu». Man spricht übrigens «Vizes» korrekterweise «Wiitschess» aus. Nebst den sprachlichen Zielen und dem strengen Handballtraining will sich der ruhig und zurückhaltend wirkende Student weiter um seinen begonnenen Studiengang im «Sportevent-Bereich» kümmern. Ein nächster Block an Wissenslehre stehe im Februar 2018 an.

Und handballtechnisch:
Bis zur Weihnachtspause stehen noch zwei Heimspiele auf dem Programm gegen Biel und die Lakers Stäfa. Patrik Vizes konnte seit mehreren Tagen wieder mit der ersten Mannschaft trainieren und hofft, dass sein Comeback gelingen wird (Anmerkung: Im Auswärtsspiel gegen die Kadetten warf Vizes neuen Tore).

Wir wünschen Patrik alles Gute, beste Gesundheit, eine spannende Zeit im Ligabetrieb und auf seinen Entdeckungsreisen durch das Fricktal und die Schweiz!

Für den TV Möhlin, Christine Steck

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