16.12.2019
Alexander Velz - neu und schon Topskorer!
Der 20-jährige gebürtige Deutsche, Alexander Velz, trägt das orange Trikot des TV Möhlin seit September dieses Jahres. Als wurfgewaltiger Rückraumspieler mit der Nummer 19 hat er sich bereits bestens ins Team von Jürgen Brandstaeter integriert.
Alexander Velz trägt den Spitznamen «Pander». Sein Stiefvater habe ihn in der F- oder E-Jugend so genannt und seither werde er eben Pander gerufen. Aber wieso und was der Name bedeuten soll, dass weiss Alexander eigentlich nicht. Geboren ist Velz am 29.März 1999 in Lahr und im schönen Meissenheim «Missne» aufgewachsen, wo er immer noch wohnt und lebt und sich als stolzer «Missner» fühlt. Zu seiner Familie zählt Mutter Andrea Zürcher, Stiefvater Bernd Zürcher und Vater Werner Velz, sowie die zwei Geschwister, welche beide Handball beim HTV Meissenheim spielen.
2016 hat Alexander eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der Firma Zürcher Bau GmbH (im Gleis- Ingenieur- und Tiefbau tätig) in Meissenheim angefangen und nach drei Jahren im Sommer 2019 erfolgreich abgeschlossen. Seither arbeitet Velz im selben Unternehmen als kaufmännischer Angestellter und ist sehr zufrieden und glücklich in diesem Beruf.
Wie alles begann...
Im Alter von gerade mal drei Jahren hat klein Alexander begonnen den Ball zu werfen und die ganze Jugend von der F- bis zur A-Jugend beim HTV durchlaufen. Meistens als Mittelmann aber auch auf der rechten oder linken Rückraumposition. Das letzte Jahr in der Jugend A spielte Velz nicht mehr, da es in Meissenheim keine mehr gab. Dafür wechselte er zur SG Köndringen/Teningen in die 3.Liga Süd, welche leider abgestiegen sei und hat dann ein Jahr Baden-Würtemberg Oberliga gespielt. Neben dem Handball-Alltag ist Velz gerne mit seinen Freunden unterwegs. Man geht zusammen Fussballspiele schauen und dann dürfe auch mal eine Kiste Kloster «draufgehen» (an dieser Stelle lässt er Grüsse an Jonathan Fischer von der SG BBM Bietigheim ausrichten). Zudem mag der aufgestellte Missner Basketball spielen und unterstützt gern seinen Heimatverein den HTV Meissenheim.
Ein zwei-Jahres-Vertrag beim TV Möhlin
Alexander Velz hat einen zwei-Jahres-Vertrag beim TVM unterschrieben und spielt bis sicher Ende 2020/21 im Möhliner Kader. Damit ist er fast der einzige Spieler, der schon genau Bescheid weiss, wie es nach dieser Saison weitergeht. Für viele Stammspieler und auch den Trainer laufen die Verträge aus und wird die Zukunft weisen, wie sie sich die folgende Spielzeit beim TVM vorstellen werden. Für den aufgestellten und sympathischen Velz ist klar, er hat sich gut eingelebt, kommt mit Mannschaftskameraden, Trainer, Vereinsmitglieder und Fans gut zurecht. Und die Hauptsache, der zwanzig Jährige fühlt sich wohl. Das wollen wir genauer wissen: «Die Mannschaft hat mich überragend aufgenommen. Faszinierend finde ich, dass das Team immer den Grad zwischen Ernsthaftigkeit und Spass oder Lockerheit hinbekommt. Also, wenn wir uns vor einem Spiel warmlaufen, wird oft noch ein bisschen Blödsinn gemacht, aber sobald es raus aufs Feld geht, sind alle voll fokussiert und jeder will das Spiel gewinnen». Weiter fügt er an, auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei immer sehr gut und meistens auch entspannt.
Heimspiele sind immer besonders
Die Heimspiele gefallen Velz. Die Halle stehe komplett hinter der Mannschaft und das motiviere bis in die letzte Faser des Körpers. So mache das extrem Spass und motiviere und auch das oftmals unterschätzte letzte Quäntchen Glück sei dann da und helfe, die zwei Punkte zu holen.
Auf die Auswärtsspiele angesprochen, meint Velz: «Ja bei Spielen wie in Genf, tun wir uns besonders schwer, da wir oft nicht mit 100% da sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht gerne zwei Stunden und mehr im Bus sitzen, um danach die Form fürs Spiel aufzubauen. Aber nichts desto trotz, legen wir alles in die Waagschale und wollen gewinnen».
Der Rückraumspieler hat bis Ende der Hinrunde 139 Tore geworfen. Das bedeutet 10.7 Treffer pro Spiel. Mit dieser Ausbeute hat sich Velz an die Spitze des NLB-Rankings katapultiert. Hinter ihm folgt Lucius Graf (Gossau) und Armin Sarac (Stäfa), mit 90 respektive 88 Treffern. Der fast 1.90m grosse Handballspieler des TVM findet das schön, aber wichtiger sei für ihn, dass er der Mannschaft helfen und als Gewinner vom Platz gehen könne. Velz übernimmt viel Verantwortung im Aufbau (nebst Manuel Csebits und Sebastian Kaiser; Florian Wirthlin ist langzeitverletzt) und ist ein sicherer Garant auch vom Siebenmeterpunkt. So hat er kürzlich im intensiven Auswärtsspiel gegen Kreuzlingen (7.Dezember) jeden der sechs Penaltys im Tor versenkt und damit im engen Spiel grosse Nervenstärke bewiesen.
Als Deutscher im Fricktal...
«Möhlin erinnert mich an meine Heimat, da es auch relativ klein und ländlich wirkt. Ich habe bisher auch nichts Negatives erlebt, ausser natürlich den Niederlagen. Aber ich bin froh, hier zu sein. Alle Menschen mit denen ich sprechen durfte, sind sehr nett und offen. Einzig mit dem Dialekt tue ich mich noch schwer, aber langsam fällt es mir leichter, euch zu verstehen», meint Velz dazu. Ausser der Steinlihalle, wo Velz dreimal in der Woche mit dem Team trainiert und der Stammbeiz bei Nuri, hat der neue Spieler noch nicht viel mehr von der Region gesehen. Die obligate Wanderung auf den Sonnenberg steht also noch aus.
Wir bilden junge Handballer aus - wie hast du deine Jugendjahre erlebt?
Ja meine Jugendzeit ist ja auch noch gar nicht mal so lange her. Sie war auf jeden Fall sehr aufregend und hatte wie bei jedem Höhen und Tiefen. In der E-, D- und C-Jugend hatten wir eine Mannschaft, wo wir so gut wie alle Titel in Baden-Würtemberg geholt haben. In der B-Jugend dann kamen noch Mannschaften wie Balingen/Weilstätten oder Frisch Auf Göppingen oder die Rhein-Neckar-Löwen dazu. Im zweiten B-Jugendjahr haben wir uns sogar für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert und hatten dann zwei Heimspiele gegen GWD Minden und Füchse Berlin, wo wir sensationell beide Spiele mit einem Tor gewinnen konnten. Das war ein unglaublicher Moment in meiner jungen Karriere und das vor knapp 1000 Zuschauern in Meissenheim in der eigenen Halle. Leider haben wir dann das Spiel in Berlin relativ deutlich verloren, jedoch in Minden einen Punkt geholt. Weil wir um die deutsche Meisterschaft gespielt haben, hatten wir uns dann direkt in der A-Jugend für die A-Jugendbundesliga-Süd qualifiziert. Aber mein B-Jugend-Jahr ging noch weiter. Ich durfte mit der Auswahl von Südbaden nochmals um die deutsche Meisterschaft spielen. Das war der Länderpokal der einzelnen Handballverbände (18 Verbände total). Wir hatten das Ziel, in die Hauptrunde einzuziehen, was wir dann auch geschafft haben und mit starkem Willen und ein bisschen Glück haben wir es bis ins Endspiel geschafft. Dieses haben wir dann unglücklich gegen Berlin verloren. Mein persönliches Highlight war dann nicht nur der «Vize-Deutscher Meister» sondern dass ich es ins All Star-Team geschafft habe. So durfte ich danach drei Lehrgänge bei der Jugend-Nationalmannschaft besuchen.
Weiter erzählt Alexander: «Dann ging es ins A-Jugendbundesliga-Jahr, welches wir nicht besonders gut absolviert hatten. Anschliessend ging der Fokus ganz klar auf die Qualifikation für die erneute Bundesliga. Leider haben wir das nicht erreicht und die tolle Mannschaft, welche zwei Jahre zuvor gegen Minden und Berlin gewonnen hatte, löste sich auf und wir hatten keine A-Jugend mehr. Daraufhin habe ich zur SG Köndringen/Teningen gewechselt, wo ich mein letztes Jahr Jugend nicht in der Jugend sondern in der dritten Liga Süd gespielt habe». Auf die Frage, was in schwierigen Momenten geholfen habe, antwortet Alexander: «Ich konnte all die Jahre zusammen mit meinen Freunden spielen und da hat man Niederlagen gemeinsam weggesteckt. Auch meine Eltern haben mich immer unterstützt, ohne sie hätte ich das nicht geschafft und dafür bin ich ihnen sehr dankbar».
Unsere NLB im Vergleich zum deutschen Handball?
Im Vergleich stelle ich fest, dass im deutschen Handball viel mehr Wert auf Grösse und Kraft gelegt wird. Jedoch in der NLB sind auch sehr viele junge Spieler, die handballtechnisch schon sehr gut ausgebildet sind, aber körperlich noch nicht so weit entwickelt. In den Liegen, wo ich in Deutschland gespielt habe, war es eine Vielzahl von erfahrenen und älteren Spielern, die diese Ligen geprägt haben. In der NLB ist es gerade andersrum, da sind es eher die jungen Spieler, die diese Liga mitprägen und denen auch die Chance gegeben wird.
Deine Ziele? Vorbilder im Handball?
Klar wäre es schön, einmal in der Bundesliga zu spielen, aber soweit denke ich noch nicht. Ich denke immer von Spiel zu Spiel und versuche mein Bestes zu geben und immer alles reinzuwerfen und natürlich auch verletzungsfrei zu bleiben. Und wenn dann mal ein höher klassierter Verein anfragt, werde ich mir meine Gedanken machen und überlegen, ob das für mich eine gute Option ist, um mich weiter entwickeln zu können. Ein Handball-Vorbild hat Velz übrigens nicht, vielmehr verehrt er Dirk Nowitzki, der mehr als zwanzig Jahre erfolgreich in Dallas Basketball gespielt hat. Es ist seine Bodenständigkeit und seine Hilfsbereitschaft, die Velz beeindruckt und inspiriert und er findet, dass Nowitzki sich sehr für junge Sportler eingesetzt habe und eine tolle Vaterrolle auf dem Feld war. Generell wünscht sich Velz noch mehr Medienpräsenz für den Handball, damit er dem grossen Fussball Konkurrenz machen würde.
Lieber Alexander, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir und der ganzen Mannschaft eine erholsame Weihnachtspause (frei von der Fitness-Schinderei und durchgetaktetem Matchprogramm) und freuen uns auf eine spannende Rückrunde im 2020!
Christine Steck, TV Möhlin