Die Corona-Krise beendet die Handball-Saison abrupt!

Das Leben, wie wir es gewohnt sind, verändert sich gerade. Behördliche Massnahmen bestimmen unseren Alltag, die Wirtschaft erlebt tiefgreifende Einschnitte und unser Freizeitverhalten wird enorm eingeschränkt. Auch die Sportwelt steht still und muss sich der Corona-Pandemie beugen. Der TV Möhlin löste den Trainingsberieb nach dem 13.März auf. Die Handball-Saison 2019 / 20 wurde abgebrochen und seit dem 20.März wissen wir, dass sie auch nicht gewertet wird.

NLB-Spieler Mischa Wirthlin nimmt Stellung zum aussergewöhnlichen Saisonabbruch und gibt Auskunft über die momentane Gefühlslage.

Chronologie der Ereignisse:
Am 29.Februar ist die Handballwelt noch halbwegs in Ordnung, zwar dürfen nur wenige Fans in die Halle, aber die Partie in Biberist gegen den TV Solothurn geht mit einem tollen Sieg zu Ende. Eine Woche später, am Samstag, den 7.März findet das nächste Heimspiel gegen die Kadetten aus Schaffhausen statt. Auch an diesem Abend ist die Zuschauerzahl limitiert und vom Kanton bewilligt und langsam wird der Öffentlichkeit klar, dass die Massnahmen gegen Corona noch ausgeweitet werden. Das 20.Meisterschaftsspiel zuhause beschert dem TV Möhlin erneut zwei Punkte und damit die Tabellenführung vor Baden, das eine Partie weniger auf dem Konto hat. Die Freude darüber dauert nicht allzu lange. In den folgenden Tagen beginnt der Presse-Marathon des Bundesrates über die einschneidenden Weisungen und die Folgen für den Sport kristallisieren sich immer deutlicher hervor. Am Freitag-Nachmittag, es ist der 13.März, verkündet der Bundesrat strenge Hygiene-Regeln, was den normalen Trainingsbetrieb in der Halle unmöglich macht. Die erste Mannschaft trifft sich ein letztes Mal zum Fussballspielen im Steinli und lässt den Abend gemeinsam in der Stammbeiz ausklingen. Noch ist unklar, wie es weiter geht. Nach dem Abbruch, ab dem 20. März dann die Gewissheit, verkündet vom Schweizerischen Handballverband: «Die Meisterschaft 2019 / 20 wird nicht gewertet. Das heisst die neue Saison 2020 / 21 wird mit derselben Ausgangslage von 2019 / 20 gestartet».

Wie fühlt sich der Spielabbruch an?
Mischa Wirthlin: «Natürlich ist es sehr schade um das grossartige Momentum, welches wir uns mit dem ersten Platz in der NLB erarbeitet haben. Acht Siege aus den letzten acht Spielen und am Samstag wäre der Leader Baden (ohne die verletzten Topscorer Bühler und Zuber) gekommen, wo wir alles versucht hätten.-Aber das ist alles Spekulation und nun auch klar zweitrangig, da wir nun definitiv einen wichtigeren «Match» zu gewinnen haben». Auf den Lohn- und Spesenausfall angesprochen, bekräftigt der Flügelspieler seine Freude und Begeisterung für den Handball, daher sei der Ausfall des Trainings und des Spielbetriebs definitiv schmerzhafter als der Spesenausfall.

Trainer Jürgen Brandstaeter fiel nach dem Spiel gegen Solothurn wegen gesundheitlichen Problemen aus. Wie hast du Florian als Coach erlebt?
«Es war sicher eine spezielle Situation, wenn der knapp ein Jahr ältere Bruder plötzlich Trainer ist. Und man zu tun und lassen hat, was er sagt. Da Flo jeweils auf dem Spielfeld für die Angriffsauslösungen zuständig war und das schon länger gemanagt hat, war es für die Offensivabteilung nichts Neues. Dennoch wirkte sich seine akribische Vorbereitung sowie die individuell auf die Gegner angepassten Spielzüge enorm positiv auf die Dynamik und den Fluss im Angriff aus (Anmerkung: die Kadetten griffen oft mit dem überzähligen Feldspieler an). Daher ist es wenig überraschend, dass wir unter seiner Leitung den höchsten Saisonsieg feiern konnten. In der Abwehr konnten wir von der fachlichen Kompetenz des langjährigen Möhliner Topscorers Marcus Hock profitieren, welcher sehr gute Inputs zum gegnerischen Angriff lieferte und auch die Abwehr im Mittwoch-Training perfekt einstellte», erklärt Mischa. Mittlerweile durchläuft Trainer Jürgen Brandstaeter das Therapie-Programm in der Reha-Klinik. Der Verein und die Mannschaft wünscht ihm an dieser Stelle recht gute Besserung und für die Zukunft alles Gute!

Wie hältst du dich, hält sich das Team fit?
«Wir halten uns individuell in improvisierten Fitnessräumen zu Hause fit. Auch laufen im Wald ist regelmässig angesagt, und unter den aktuellen Umständen auch bei den Laufmuffeln doch einigermassen beliebt». Wirthlin gibt zu bedenken, dass sie nicht entscheiden können, wann sie wieder als Einheit zurückkommen, aber WIE sie zurückkommen. Daher wollen sie dem neuen Trainer und sich selbst einen Gefallen machen. Auch im Hinblick, auf das was kommt, damit sie später gezielt an den handballerischen Fähigkeiten und nicht zuerst an der eigenen Fitness arbeiten müssten.

An den Samstagen findet kein Spiel mehr statt, wie verbringst du die freie Zeit?
Mein Studium läuft weiter, allerdings von zuhause aus. Daher habe ich nicht wirklich viel mehr Freizeit als in den letzten Wochen. Aber ich trainiere nun bereits am Mittag und habe so die Abende frei um mich zu erholen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Die offizielle Verabschiedung am letzten Heimspiel Ende April fällt ins Wasser. Ist etwas geplant?
Definitiv ja, wir möchten alle Abgänge gebührend verabschieden! Sobald es die Situation zulässt werden wir ein Abschiedsspiel organisieren, welches den Spielern würdig sein wird. Unser inoffizieller Saisonschluss auf Mallorca über Pfingsten scheint auch auf der Kippe zu stehen. Aber auch hier werden wir das Beste aus der Ausgangslage machen, um diese spezielle Saison zu begiessen.

Mischa Wirthlin gibt sich trotz Einschränkungen und Absagen zuversichtlich und harrt erstmals aus. Die Folgen der Corona-Krise für die Handball-Vereine wird aber vor allem die Club-Führungen noch länger beschäftigen. Viel Unterstützung erfahren diese aus der Wirtschaft und dieser geht es momentan schlecht. Der Präsident des TV Möhlin Simon Mahrer vermutet, dass deshalb weniger Gelder ins Sponsoring fliessen werden und die Vereine generell mehr sparen müssen. Solidarität wird es von allen Seiten her brauchen. Im Vordergrund steht aber momentan die Frage, wie lange wird uns das Virus beschäftigen? Welche Folgen hat das für den Sport, die Gesellschaft? Und es bleibt die Erkenntnis: Wochenenden ohne Sport schmerzen, aber vorerst geht es um die Gesundheit aller und möglichst schnell wieder aus der Extremsituation heraus zu kommen!

Christine Steck, TV Möhlin

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