Im Fokus: Mitch Giezeman-Kreisläufer

Mitch Giezeman ist beim TV Möhlin (NLB) auf der Kreisposition eine feste Grösse geworden. Es ist seine zweite Saison beim Verein. Der 23-jährige gebürtige Holländer verbrachte seine ersten Jahre in seiner Heimat, ehe er 2009 in die Schweiz kam und die Swiss International School besuchte. Für die Mannschaft von Zoltan Majeri ist Mitch ein Glücksfall, sportlich und auch menschlich!

Mitch Giezeman, geboren am 13. August 2002, ist in Almere zusammen mit zwei Schwestern aufgewachsen. Die Stadt liegt etwa eine Auto-Stunde entfernt von Amsterdam und zählt 220’000 Einwohner. Dort hat Mitch seine ersten sechs Lebensjahre verbracht. Danach zog seine Familie in die Schweiz, wegen dem Beruf seiner Mutter («Medical Affairs» in Pharmaunternehmen). In Basel besuchte Mitch die Swiss International School (SIS) und absolvierte den Unterricht zweisprachig, in Englisch und in Deutsch. Er sagt dazu: «Meine Muttersprache ist Niederländisch, aber Englisch is my favourite one!» Später kam der Wechsel nach Reinach (ISB), wo er Abitur machte und das IB-Diplom erhielt. Dort lernte er auch seine jetzige Freundin kennen. Anschliessend ist Mitch nach Den Haag gezogen, um an der Fachhochschule Internationales Sportmanagement zu studieren. Für sein Praktikum hat er kurz bei «Ironman» in Frankfurt gearbeitet, bevor er wieder nach Basel zurückgekehrt ist. Zu seinen Hobbies zählt der begeisterte Sportler Handball und Outdoor-Aktivitäten, wie Wandern und Campen mit Freunden.

Wie bist du zum Handball gekommen?

Als ich neun Jahre alt war, begann ich beim HC Oberwil mit dem Handballspielen. Nachdem ich fast mein ganzes Leben lang Fussball gespielt hatte, dachte ich, es sei an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Meine Eltern erzählten mir, dass sie sich bei einem Handballturnier kennengelernt hatten, also war ich überzeugt, dass dies der richtige Sport für mich sein musste. Schliesslich spielte ich bei der HSG Leimental 1. Liga, bevor ich zum Studieren nach Den Haag zog. Dort trat ich dem WHC Hercules bei, dem Verein, für den meine Eltern gespielt hatten, als sie in Den Haag lebten und aufwuchsen. Ich spielte dort zwei Jahre lang und machte mit einem grossartigen Trainer und fantastischen Teamkollegen grosse Fortschritte. Zu diesem Zeitpunkt begann ich, Handball etwas ernster zu nehmen.

Und warum der Wechsel nach Möhlin?

Nach meinem kurzen Praktikum in Frankfurt wusste ich bei meiner Rückkehr nach Basel, dass ich mich einem Team in einer höheren Liga anschliessen möchte. Ich wollte mich weiter verbessern und von erfahrenen Spielern lernen. Da ich Robin (Robin Santeler, aktueller Torwart beim TVM) seit meiner Jugend kannte und mich ab und zu mit seinem Vater Michael austauschte und dieser mich für den TVM zu begeistern wusste, war die Richtung dann vorgegeben. Nach einigen Trainingseinheiten im Steinli war mir klar, das Niveau war viel höher, die körperliche Leistungsfähigkeit, die Intensität und die Trainerkompetenz von Zoltan Majeri, das alles wollte ich aufsaugen.

Welche Werte und Ziele sind dir im Handball wichtig?

Als Handballspieler finde ich Teamwork am wichtigsten. Ein Team zu sein und auch wie eines aufzutreten macht den Unterschied. Da wir so viel Zeit miteinander verbringen, wir trainieren fast jeden Abend miteinander, ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig unterstützen und alle gleichberechtigt sind. Das macht Handball auch so spannend. Das Training wäre langweilig, wenn man mit Leuten zusammen wäre, mit denen man nichts anfangen kann, mit denen man keine Zeit verbringen möchte. Deshalb ist Möhlin für mich etwas Besonderes. Das Team hat mich von Anfang an gut aufgenommen, nicht nur die Mannschaft, sondern auch der ganze Verein. Zu seinen Zielen befragt, sagt Mitch: «Ich habe keine konkreten persönlichen Ziele, was Handball angeht, ich versuche einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben und wenn sich neue Möglichkeiten ergeben, nutze ich diese gerne.»

 

Doppelbelastung Handball und Beruf

In der NLB ist es üblich, dass die Spieler einen Beruf ausüben oder einem Studium nachgehen. «Es ist deshalb nicht einfach, beides unter einen Hut zu bringen, allein schon wegen der Belastung, die Handball für Körper und Geist mit sich bringt,» sagt der Kreisläufer dazu. «Auch wenn ich mit Freude trainiere und gerne spiele, zehrt Handball an den Kräften und macht einen während der Woche müde. Dann muss man auch noch Energie für körperliches Training, Ernährung und Erholung aufbringen, was nicht immer einfach ist. Glücklicherweise ist mein Job bei der ISB in der Sportabteilung körperlich nicht so anstrengend.»

Kreisposition - Sein Ding!

Was mir an der Kreisposition am besten gefällt ist die Körperlichkeit, was natürlich auch meiner Körpergrösse zu Gute kommt. Ich habe mich nie wirklich für diese Rolle entschieden, aber in meiner Jugend war ich in nichts anderem besonders gut. Als ich dann grösser wurde und mein Vorteil nutzen konnte, wurde es für mich passender. Jedenfalls hat mir die Verteidigung immer mehr Spass gemacht. Mein Verteidigungsinstinkt ist mir irgendwie in die Wiege gelegt worden. Nachdem ich von erfahrenen Spielern in der Niederlande gelernt hatte und die Körpergrösse hinzukam, konnte ich mich in der Verteidigung entfalten. Das ist definitiv eine Stärke von mir.

Nach einer Lernphase im letzten Jahr, wie er es bezeichnet, und es ihm schwerfiel sich voll einzubringen (dazu kam eine Verletzung), hat Mitch enorme Fortschritte in der NLB gemacht. Als Kreisläufer überzeugt er mit einer beachtlichen Rumpfstabilität, einem guten Spielverständnis und weiss, wie er Gegenspieler «aufnimmt». Dass er oft gezogen, geschoben und bedrängt wird, nimmt er meistens gelassen und mit seinem ihm eigenen Humor. Trainer Zoltan Majeri fasst es ähnlich zusammen: «Mitch zeigt eine sehr positive Mentalität, entwickelt sich gut, seine Stärke hilft dem Team und gemeinsam bauen wir darauf und arbeiten weiter.»

Vor kurzem wurde bekannt, dass Mitch Giezeman seinen auslaufenden Vertrag beim TV Möhlin vorzeitig verlängert hat.

Christine Steck

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