02.06.2026
Linus Fässler- Der Linkshänder verabschiedet sich von der NLB!
Es ist Mitte Mai, der Saisonabschluss seiner Mannschaft liegt knappe zwei Wochen zurück, als Linus Fässler, abtretender NLB-Handballer mit Möhliner Wurzeln, mit ein paar Fragen konfrontiert wird. Wenige Stunden danach folgen seine Antworten. Es beeindruckt immer wieder, wie viel ein Spieler zu erzählen weiss, was er aus seiner Sportkarriere mitnimmt, auch für den weiteren Lebensweg mit weniger oder ohne Harz und Schweiss.
Pragmatischer Beginn
Im Alter von sechs Jahren startete Linus in der U9 bei Susi Hürbin mit seiner Handballkarriere. Dazu motiviert hat ihn damals Paul Hürbin, der dem Jungen mit Jahrgang 2002 im Garten einen Ball zuwarf und meinte, dass Handball der richtige Sport für ihn sei! Linus war davon sofort begeistert und durchlief danach alle Juniorenstufen beim TV Möhlin. Er bezeichnet es als Glück mit grossartigen Nachwuchs-Trainerinnen und Trainern zusammen gearbeitet zu haben. Marc Scheuner, Simon Neuenschwander und Daniele Cafasso von der U13 zählt er auf, André Waldmeier, Ernst Hürbin und Nathi Ceppi, auch Reto Hürbin in der U15 sowie Thomas Bruhin, Marco Ruflin in der U17 und danach Alexander Milovanovic und Adrian Blaser in der U19. Die Bedeutung der Trainer für den Handball sei unbestritten, doch ebenso wichtig sei auch das Augenmerk auf andere Werte, wie z.B. die Disziplin, die man in der Juniorenzeit vermittelt bekomme. Das habe ihm auch im Alltag geholfen.
Ein besonderer Moment
Ein unvergesslicher Moment für den Sechszehnjährigen war das Aufgebot für den U17-Nationalmannschaftslehrgang, nachdem er mit der Regional-Auswahl NWS 2017 den 2. Platz in der Schweizer Meisterschaft erreicht hatte. Linus Fässler entschied sich jedoch gegen die Nationalmannschaft, um weiterhin für den TVM zu spielen. Ein Engagement bei der Nati wäre gleichbedeutend mit einem Wechsel zu einem Juniorenverein in der Elite (HSG Nordwest) gewesen. Linus dazu: «Mir bedeutete die Kameradschaft viel, daraus sind auch tiefe Freundschaften zu Mitspielern entstanden». Drei Jahre später ging für ihn trotzdem die nächste Türe auf, als Trainer Samir Sarac den Linkshänder ins Möhliner NLB-Kader berief. Im Trikot mit der Nummer 15 durfte der junge Handballer viel Verantwortung übernehmen, auch vom Siebenmeter. Viele Erinnerungen an Höhepunkte aus Cup-Begegnungen oder aus Trainingslagern sind ihm geblieben. Beeindruckt haben ihn auch Spielerkollegen mit internationaler Erfahrung, wie z.B. Justin Larouche, der mit dem neuen Trainer Zoltan Majeri von Baden Endingen kam und zuvor in Frankreich bei mehreren Top-Ligen unter Vertrag stand.
Motivation oder Überlebungsmodus?
Der ehemalige NLB-Spieler glaubt nicht an eine kontinuierliche Motivation, es sei dann wichtig Disziplin zu zeigen. Vor allem wenn der Freundeskreis Termine plant und man absagen müsste, weil ein Training oder Spiel anstehe. «Da kam ich schon mal in Erklärungsnot, da ich ja in den letzten Jahren wenig Spielanteil hatte. Klar haderte ich manchmal, plagten mich Zweifel und musste ich in mich gehen. Meine eher kleine Rolle im Team auf dem Feld, brauchte sicher die Extrameile an Motivation und Loyalität, also sich hinter die Mannschaft zu stellen um gemeinsam erfolgreich zu sein. Und beschreibt: «Mental ist der Druck auf der Sitzbank oft noch grösser, als auf dem Feld…Wann komme ich rein? Wie entwickelt sich das Spiel? Was macht mein Gegenspieler? Und wenn man dann kalt ins Spiel kommt, muss man sofort abliefern, auch das ist grosse mentale Herausforderung». Gleichzeitig zeigt sich der grossgewachsene Spieler aber auch selbstkritisch und meint: «Man muss zeigen, dass man spielen kann und sich nicht aufregen, wenn das nicht passiert».
Gedanken zum Rücktritt
Die wenigen Einsatzminuten auf dem Feld sind das eine, die grosse zeitliche Belastung für Trainingsinhalte und Spieltermine das andere. In der NLB trainiert man als Amateur mit Profis und Halbprofis. Das heisst, ich arbeite jeden Tag in einer 100%-Stelle (Privatkundenberater bei einer Bank), muss pünktlich aufstehen, zur Arbeit gehen, danach trainieren und wieder schlafen. In der letzten Saison kam noch eine Weiterbildung dazu, wo ich weniger trainierte. Andere Lebensbereiche leiden darunter und ohne die Unterstützung von Familie, Freundin und Freunde wäre das alles nicht möglich gewesen. An dieser Stelle herzlichen Dank an sie. Künftig möchte ich keine Sonderbehandlung mehr in Form von weniger Trainings, weshalb die NLB nicht mehr in Frage kommt. Ich kann mir aber vorstellen, nach meiner abgeschlossenen beruflichen Weiterbildung im Sommer, in einer unteren Liga zu spielen.
Ein würdevoller Abschied beim letzten Heimspiel
Linus Fässler wurde zusammen mit Xavier Franceschi, Lucas Grandi und Nelio John anlässlich des Pfadi Espoirs-Spiels vom 18. April verabschiedet. Es hat ihm viel bedeutet. Ein spezieller Dank richtet er an Tante Alice, Maja und Max Soder, welche bei fast jedem Meisterschafts-Spiel dabei waren und die Mannschaft jeweils von der Tribüne aus unterstützt haben. Er bedankt sich aber auch bei allen, welche dem Verein helfen, den Zusammenhalt wie in einer grossen Familie pflegen und an den Heimspielen für die berüchtigte «Hexenkessel»-Stimmung sorgen!
Christine Steck
Bildlegende: Linus Fässler, zum letzten Mal im NLB-Dress, zusammen mit seinen Eltern.